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Thromboserisiko
besteht auch auf Kurzstreckenflügen
In
den vergangenen Jahren wurden verschiedene wissenschaftliche Studien
publiziert, die zu widersprüchlichen Erkenntnissen kamen.
Während einige den Verdacht nahe legten, dass das enge Sitzen
in engen Flugzeugen lebensbedrohliche Thrombosen auslösen
können, wiegelten andere Studien ab. Es verwundert nicht,
dass die Fluggesellschaften nahezu übereinstimmend einen
Zusammenhang zwischen Flugreisen und Thrombosen bestritten.
Ungeachtet der Abwiegelungsversuche sorgte das "Touristenklassen-Syndrom"
seit Jahren für Schlagzeilen. Einer neuen Untersuchung zufolge
besteht die Thrombosegefahr aber nicht nur bei Langstreckenflügen,
sondern schon bei kurzer Flugdauer.
Beengtes
Sitzen kann schon auf Kurzstrecken gefährlich sein
Australische
Forscher fanden heraus, dass beengtes Sitzen über längeren
Zeitraum das Thromboserisiko vervierfacht. Doch nicht nur Langstreckenflüge
scheinen gefährlich zu sein, wie die Zwischenauswertung einer
weiteren internationalen Studie jetzt ergab. "In der Tat
deutet unsere Forschung darauf hin, dass sich die meisten Blutgerinnsel
in den ersten zwei bis drei Stunden einer Reise bilden und mit
der Zeit größer und gefährlicher werden",
sagt Studienleiter Gianni Belcaro von der Universität Chieti-Pescara
in Italien. Das Risiko wachse, wenn Reisende nach dem Flug direkt
in ein Auto oder einen Bus umstiegen oder stundenlang auf Flughäfen
warteten.
Besonders
gefährlich sind Thrombosen, wenn sich die Gerinnsel lösen:
Dann können sie sich im Herzen, in der Lunge oder im Gehirn
festsetzen und eine Embolie oder einen Schlaganfall hervorrufen.
Das erhöhte Risiko im Flugzeug ist nach Angaben der Experten
vor allem auf den verringerten Luftdruck, die niedrigere Luftfeuchtigkeit
und die mangelnde Bewegungsfreiheit zurückzuführen.
In der Folge erweitern sich die Venen, der Blutfluss wird verlangsamt,
der Körper verliert Flüssigkeit, wodurch das Blut immer
dicker wird und sich Gerinnsel bilden.
Exakte
Zahlen über das Thromboserisiko bei Flugreisen gibt es bislang
nicht. Schätzungen zufolge sind 6 bis 24 von 100.000 Vielfliegern
davon betroffen. Als besonders gefährdet gelten frisch operierte
Menschen, Patienten mit Herz- und Venenerkrankungen oder Blutgerinnungsstörungen,
Senioren, Raucher, Schwangere sowie Frauen, die mit der Pille
verhüten.
Australische
Wissenschaftler, die die Daten von 5.400 Patienten mit Thrombosen
oder Lungenembolien nach Flugreisen auswerteten, geben im "British
Medical Journal" das Sterberisiko nach Langstreckenflügen
für gesunde Menschen mit
eins zu zwei Millionen an. Die tatsächliche Opferzahl könnte
aber höher liegen, da ein genauer Nachweis der Ursache ausgesprochen
schwierig ist: Bis die Gerinnsel sich lösen und in Lunge,
Herz oder Hirn wandern, können bis zu vier Wochen vergehen.
Venengymnastik
und Reisestrümpfe
Der
italienische Mediziner Belcaro untersuchte gemeinsam mit britischen
Kollegen rund 500 Passagiere im Alter von 25 bis 65 Jahren vor
und nach Flügen zwischen England und Italien per Ultraschall
auf Blutgerinnsel. Bei neun von 210 Personen mit bereits erhöhtem
Risiko wurden die Ärzte tatsächlich bereits nach der
kurzen Flugzeit fündig. Dies entspricht einem Anteil von
4,3 Prozent in der Risikogruppe. Zwei Passagiere erlitten sogar
eine Lungenembolie.
"Ich
empfehle, bei jeder Art von Reise, die eingeengtes Sitzen mit
sich bringt, einige Vorsichtsmaßnahmen zu treffen",
betont Belcaro. Dazu zählten Venengymnastik während
der Reise, eine ausreichende Wasserzufuhr und spezielle Reisestrümpfe,
die die Blutzirkulation förderten. Der italienische Professor
bezeichnet es selbst als ungewöhnlich, bereits die Zwischenergebnisse
einer Studie zu publizieren, die noch weiter läuft. Doch
die bisherigen Erkenntnisse seien von derart grundlegender Bedeutung,
dass er sich entschlossen habe, damit schon jetzt an die Öffentlichkeit
zu gehen.
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